Keine Sekunde bereut. Aber auch nicht alles davon weitergemacht.
Ich werde manchmal gefragt, ob ich meinen Konzern-Job vermisse. Die ehrliche Antwort ist: bestimmte Dinge schon. Aber die meisten davon habe ich in meine Selbstständigkeit mitgenommen. Und was ich nicht mitgenommen habe — das war eine bewusste Entscheidung.
11 Jahre Marketing und Vertrieb in einem großen Unternehmen sind keine verlorene Zeit. Sie sind ein Crashkurs in dem, was Menschen wirklich bewegt. Und in dem, was mich bewegt — und was mich aufreibt.
Strukturiertes Denken. Im Konzern lernt man, Probleme zu zerlegen. Wer ist die Zielgruppe, was ist die Botschaft, was ist der Kanal, was ist das Ziel. Diese Denkweise habe ich in meine Selbstständigkeit übertragen — und sie ist heute einer meiner größten Vorteile.
Geduld mit Prozessen. Dinge brauchen Zeit. Das klingt banal, aber gerade in der Selbstständigkeit neigt man dazu zu denken, alles müsse sofort funktionieren. Im Konzern habe ich gelernt: gute Arbeit braucht Vorlaufzeit, Iterationen, Korrekturen. Das gilt auch für eigene Projekte.
Zuhören können. Vertrieb ist zu 80 % Zuhören. Was will der Mensch wirklich? Was sagt er nicht, aber meint er? Diese Fähigkeit ist in der Selbstständigkeit Gold wert — egal ob im Kundengespräch oder beim Schreiben für eine Zielgruppe.
Den 8-Stunden-Tag. Nicht weil er grundsätzlich falsch wäre — sondern weil er nicht zu mir passt. Als Projektorin brauche ich intensive Kurzsessions, keine Marathon-Tage. Das war eine der ersten Entscheidungen, die ich traf.
Meetings als Standard. Im Konzern gibt es Meetings für alles. Ich habe gelernt: Die meisten davon hätten eine E-Mail gereicht. In meiner Selbstständigkeit entscheide ich selbst, wann ein Gespräch wirklich Mehrwert bringt.
Die Idee, dass Anwesenheit Leistung bedeutet. Das war die größte Befreiung. Mein Output zählt — nicht die Stunden, die ich am Schreibtisch sitze.
Der Konzern hat mich nicht geformt — aber er hat mir gezeigt, was ich will. Und was ich nicht will. Das ist mehr wert als jedes Karriereprogramm.