KI & Investieren 1. August 2025

Wie KI mir hilft, beim Investieren schneller zum Wesentlichen zu kommen.

Kein Robo-Advisor und kein Zaubertrick — sondern ein sehr geduldiger Gesprächspartner, der mir hilft, schneller zum Kern einer Sache zu kommen.


Ich muss kurz ausholen. Als ich anfing, aktiv zu traden, war mein größtes Problem nicht das Wissen. Ich hatte Bücher gelesen, Kurse gemacht, mir die wichtigsten Konzepte erarbeitet. Mein Problem war das Rauschen. Die schiere Menge an Informationen, Meinungen, Daten — und die Frage, was davon für mich und meine Entscheidungen wirklich relevant ist.

KI hat das für mich verändert — nicht weil sie mir sagt, was ich kaufen soll, sondern weil sie mir hilft, schneller zum Kern einer Sache zu kommen und das Wesentliche vom Rauschen zu trennen.

Unternehmensrecherche — früher Stunden, heute Minuten

Bevor ich in ein Unternehmen investiere oder es in mein Watchlist aufnehme, will ich ein paar grundlegende Dinge verstehen: Was macht das Unternehmen eigentlich? Wie verdient es Geld? Wer sind die Wettbewerber? Was könnte schiefgehen?

Früher habe ich dafür Geschäftsberichte überflogen, Artikel gesucht, Seite für Seite. Jetzt fange ich anders an:

Beispiel-Prompt

„Erkläre mir das Geschäftsmodell von [Unternehmen] in einfachen Worten. Wo verdient es Geld, wo liegen die größten Risiken, und welche Wettbewerber sollte ich vergleichen?"

Das gibt mir in zwei Minuten einen strukturierten Überblick — der dann als Basis dient, um gezielt tiefer zu graben. Die KI ersetzt mir nicht die Recherche. Aber sie gibt mir den Rahmen, in dem ich die richtigen Fragen stellen kann.

Vergleiche, die vorher zu aufwändig waren

Ich schaue mir regelmäßig ETFs an. Nicht nur den großen FTSE All-World, sondern auch Sektor-ETFs, Faktor-ETFs, regionale Varianten. Der Teufel liegt im Detail: TER, Replikationsmethode, Fondsgröße, Ausschüttungsart, steuerliche Behandlung.

Das händisch zu vergleichen ist möglich — aber zäh. Ich bitte Claude stattdessen, mir eine strukturierte Gegenüberstellung zu geben:

Beispiel-Prompt

„Vergleiche diese drei ETFs für mich: [ETF A], [ETF B], [ETF C]. Ich möchte eine tabellarische Übersicht mit TER, Fondsvolumen, Replikationsmethode und was jeweils für oder gegen den Einsatz im Langfrist-Portfolio spricht."

Wichtig: KI-Ausgaben sind immer ein Startpunkt, kein Endpunkt. Ich prüfe kritische Zahlen immer gegen aktuelle Quellen — TER und Fondsdaten ändern sich, und KI-Modelle haben einen Wissens-Stichtag.

Mein Trading-Journal — das ich mir selbst gebaut habe

Das ist vermutlich das Nützlichste, was ich mit KI-Unterstützung für mein Trading aufgebaut habe: ein eigenes Journal-System.

Vor jedem Trade halte ich inne und beantworte eine feste Reihe von Fragen — Marktlage, mein Setup, mein Einstieg, mein Ziel, mein Stop. Und dann berechne ich das CRV: das Chancen-Risiko-Verhältnis.

1:2 Mein Mindest-CRV. Ich riskiere maximal 1 Teil, um mindestens 2 Teile zu gewinnen. Trades unter diesem Verhältnis nehme ich nicht an — egal wie überzeugend das Setup aussieht.

Das klingt simpel — und das ist es tatsächlich auch. Aber es hat mein Trading grundlegend verändert, weil es mich zwingt, vor dem Einstieg schwarz auf weiß zu sehen, ob sich ein Trade rechnerisch überhaupt lohnt.

Früher war das Journal für mich eher lästig, und entsprechend stiefmütterlich habe ich es auch behandelt. Jetzt, da ich es so an mich angepasst habe, macht es mir fast Spaß, es zu nutzen — und das hilft meiner Performance ungemein.

Das Journal selbst habe ich gemeinsam mit Claude entwickelt — Schritt für Schritt, mit meinen eigenen Fragen und meiner eigenen Handelslogik, nicht nach irgendeinem fertigen Template aus dem Internet, sondern als etwas, das wirklich zu mir passt.

Was das für dich bedeutet

Du musst kein Trader sein, um davon zu profitieren. Dieselbe Logik gilt fürs Investieren: Bevor du eine Entscheidung triffst, lohnt es sich, sie einmal in Worte zu fassen — was du kaufst, warum, was schiefgehen könnte und ob du wirklich damit einverstanden bist.

KI hilft dabei nicht als Orakel, das dir die richtigen Aktien nennt. Sie ist eher ein Gesprächspartner, der zurückfragt, zusammenfasst und dir manchmal zeigt, dass du eine Frage noch gar nicht richtig gestellt hast. Der eigentliche Wert liegt nicht in den Antworten, die sie liefert — sondern in den Fragen, die du durch sie erst lernst zu stellen.

Kein Finanzrat. Ich teile meine persönliche Erfahrung und was ich gelernt habe. Jede Geldentscheidung triffst du selbst — auf Basis deiner eigenen Situation.